Gefiederschaden beim Mauersegler

Wodurch entstehen sie?

 

 
Kaum ein Vogel ist so sehr wie der Mauersegler von einem intakten Gefieder abhängig, um in seinem  Lebensraum  überleben zu können.  Es gibt viele Ursachen die zum Gefiederschaden führen können:
  • Durch gewaltsamen Verlust wie z.B. Hängenbleiben im Nistplatz, Anschlagen bei Anflügen, Greifvogelattacken, Katzenangriffe
  • Falsche Unterbringung in Menschenhand. Ungeeignet sind Käfige, aber auch in Boxen, harten Behältern schlagen sich unruhige Mauersegler ihre Federkiele blutig.
  • Fehlernährung durch die Erstversorgung der Finder. Jedes Jahr bekommen wir als Mauerseglerpflegestation falsch ernährte Segler. Als reiner Insektenfresser reagiert der Mauerseglersegler sehr empfindlich auf Fehlernährung. Schon wenige falsche Fütterungen können verheerende Folgen zeigen. Durch die geschädigte Darmflora ist der fehlernährte Segler nicht mehr in der Lage die für das gesunde Federwachstum notwendigen Stoffe aufzunehmen. Diese Vögel gehören zwingend in fachkundige Hände und müssen medizinisch versorgt werden.
  • Ebenso entsteht durch Fehlernährung Federverlust. Die Handschwingen werden nach der Umstellung auf artgerechte Insekten abgeworfen. Dies geschieht oft nach wenigen Tagen, aber teilweise auch nach Wochen und macht ein Schiften zum frühen Zeitpunkt aussichtslos, denn der Vogel wirft unter Umständen die Federn nach der Freilassung ab und ist flugunfähig.
  • Auch lang anhaltende Hitze kann zu Gefiederschäden führen.  Die Ursachen sind bisher ungeklärt, die Hitze führt vermutlich beim Jungsegler zu einer Stoffwechselerkrankung. Die sonst sehr stabilen Federkiele sind pergamentartig dünn und nicht belastbar. Die Federn brechen nacheinander ab. Oftmals bleibt dieser Defekt unbemerkt, da er äusserlich nicht erkennbar ist und erst durch die Belastung des Fliegens Auswirkungen zeigt.

 

Was tun?

 

Bei leichten Gefiederschäden bekommen unsere Mauersegler eine zweite Chance durch den Ersatz von maximal 2-3 defekten Federn pro Seite. Zusätzlich können auch Schwanzfedern geschiftet werden.

 

Alle darüber hinaus gehenden Federdefekte zählen wir  zu den schweren Gefiederschäden,
der Mauersegler muss überwintert werden.

Im folgenden Jahr können die letzten äußeren 2-3 Handschwingen und die Schwanzfedern geschiftet werden, sie werden in den darauf folgenden Monaten vermausert. D.h. die geschifteten Federn müssen nicht wie bei einem geschifteten Jungsegler mehr als 12 Monate halten, sie werden bereits in den nächsten 1-6 Monaten erneuert.

 

 

 

  

Spätbruten  sind vermehrt von Gefiederschäden, bedingt durch lange Hungerphasen und dadurch entstandene sog. Grimale im Gefieder, betroffen. Unerfahrene Mauersegler lassen die Erstbrut oftmals im Stich, folgen dem Zugtrieb.

Die Natur hat den Seglern die Möglichkeit gegeben längere Zeit ohne Nahrung auszukommen und von Reserven zu zehren, schlimmstenfalls in Kältestarre zu verfallen. Die Schäden am Gefieder durch Mangelzustände während der Federbildung haben jedoch zum Teil fatale Folgen, machen die Segler nicht überlebensfähig.

 

 

Zum Bild:

Für einen unerfahrenen Seglerpfleger ist hier der Gefiederschaden nicht sofort erkennbar. Das Gefieder wirkt an den betroffenen Stellen speckig, glänzt bläulich. Die Schwanzfedern zeigen aber bereits die entstehenden Bruchstellen. Segler mit abbrechenden Schwanzfedern haben, wenn dies nicht durch mechanische Ursachen hervorgerufen wurde, immer auch schlechte Schwungfedern. Dieser Vogel hat im Alter von ca. 20 Tagen gehungert.

Lücken in der Federfahne, brechende Schwanzfedern. Er hat so keine Chance... Auch wenn dieser Mauersegler anfangs flugfähig ist, für ein Leben in der Natur reicht es nicht. In kürzester Zeit werden die Federn brechen, den Strapazen durch Wind und Flug nicht standhalten.

Das ist Tauri, er stammt aus Kassel. Er wurde mit 18g gefunden war noch keine 20 Tage alt, hat im Alter von ca. 14 Tagen gehungert. Sein Gefieder, gleich eher einem ausgedienten Scheuerlappen. Alle drei Vögel zeigen Großgefiederschäden, müssen überwintern.

 

Erfahrene Mauerseglerpfleger erkennen die nahenden Gefiederschäden bereits bevor die Federn ausgewachsen sind.

Die Federn stecken bei diesem fatal fehlernährten Jungsegler fast zur Hälfte in den Federspulen.  Schwerste Gefiederschäden sind hier die Folge.


Schiften - eine zweite Chance bei leichten Gefiederschäden